Drosselung nun auch bei DSL – Die Telekom macht es vor, wer kommt danach? / Update 1

Als Kunde haben wir uns sicher alle in den letzten Jahren an den Begriff „Flatrate“ gewöhnt. Mit Einführung und Verbreitung von DSL war endlich die Zeit vorbei, auf seine Stoppuhr sehen zu müssen die einem die genutzte Zeit der ISDN Einwahl aufzeigte. Endlich war man unbegrenzt „online“. Ohne Zeitbegrenzung. Und auch ohne sonstige Einschränkungen der Inhalte, der Geschwindigkeiten (außer natürlich technische Einschränkungen der Leitungen) oder sonstiger Dienste.

Flat war aber natürlich nicht flat. Sondern ein lustiger Marketinggang der großen Telefonanbieter, die uns Kunden damit locken wollten. Aber eigentlich ja nur uns als zahlende Kunden, die zwar für eine versprochene Leistung zahlen aber diese doch bitte lieber nicht nutzen sollen. Sollte es dennnoch mal ein Kunde wagen, zu viel Traffic zu erzeugen war das wohl verschmerzbar. Stichwort „Quersubventionierung“.
Nun schreiben wir das Jahr 2013. Die Telekommunikationsunternehmen in Deutschland haben sich gegenseitig mit dem Preis, jedoch nicht mit Kundenzufriedenheit, nicht mit Leistung, nicht mit Qualität um die Kunden bemüht. Immer mehr „inklusive X und Y“ wurde in den bunten Werbeversprechen dem Kunden vorgegaukelt. Natürlich alles flat. Und, oh Wunder, wir Kunden nutzen die angebotenen Produkte auch. Wir laden Daten aus dem Netz herunter, laden Daten hoch. Wir surfen, wir streamen, wir chatten, wir facetimen. Kurzum: Wir sind eigentlich das, was ein Telko nicht haben will. Wir nutzen das Produkt, so gut es geht. Onlinebackups sind weit verbreitet, die Cloud hat ebenfalls zu Hause Einzug gehalten und Videochats sind auch nicht ungewöhntlich. Nebenbei hören wir vll. sogar noch Webradio-Streams in hoher (lol) 192KBit/s Auflösung. Alles kostet Daten. Hier ein paar Megabyte, dort ein paar Megabyte. Auf den Monat kommen da mittlerweile einige Gigabyte zusammen.
Die technischen Voraussetzungen, die von dem Nutzer angeforderten Daten durch das Internet zu transportieren und schnell und zuverlässig auszuliefern sind in den letzten Jahren massiv angestiegen. Waren noch vor einigen Jahren die Netzknoten DeCIX, AMS-IX deutlich kleiner sind diese mittlerweile massiv ausgebaut worden. Jedes Jahr wird wieder ein neuer „Rekord“ in der Datenübertragung gestellt. Leitungen der Carrier (Backbone) sind ebenfalls deutlich ausgbaut worden. All dieses ist natürlich mit Kosten verbunden. Kosten, die ein Telko natürlich reinbekommen möchte und muss. Wären da nicht diese doofen Kunden, die (angeblich) wenig zahlen wollen aber mit höchster Geschwindigkeit surfen wollen. Wären da nicht diese bösen Anbieter Google, YouTube, Streamingdienste usw., die von den bösen Kunden genutzt werden und damit die Anforderungen an höhere Bandbreiten richten.

Nun wissen wir alle, dass eine Preisspirale dauerhaft nicht gut sein kann. Es bleibt immer etwas auf der Strecke, entweder die Qualität, die Verfügbarkeit, der Service oder einfach der Kunde. Kaum einer wundert sich also, dass der angebliche Billigheimer Base/ EPlus schlecht sein soll, D1/ Vodafone aber gleich viel besser. Oh Wunder, auch hier gilt wieder das Prinzip des Geldes. D1 und Vodafone sind häufig teurer. Und haben durch mehr Kunden natürlich auch mehr Umsatz, der wieder in Netzausbau und Infrastruktur fließen kann. Billiganbieter punkten somit meist beim Preis. Der Kunde nimmt Einschränkungen im Netzausbau, Geschwindigkeit und Qualität hin.

Damit also der Nepp- und Bauernfang funktionieren kann haben sich die Anbieter im Mobilfunk den Begriff Flatrate zu nutze gemacht. Flat wurde nun beinahe alles bezeichnet, auch wenn es sich gar nicht um solches handelt. Eine Flatrate zu bewerben, die eigentlich nur die Nutzung eines gewissen Datenkontingent in angemessener Geschwindigkeit mit danach quasi auf ISDN Niveau Weitersurfmöglichkeit ist, scheint in Deutschland ganz normal zu sein. Nicht nur sind hier die Preise für mobiles Internet zum Teil deutlich teurer als im europäischen Ausland, nein, hier kann man es scheinbar auch machen. Ein paar 100 MB Datenkontingent mit normaler Geschwindigkeit sind heutzutage mobil auch schnell durch. Danach geht es für den Rest den Monats quälend lahm weiter. Wir Nutzer haben uns daran gewöhnt. Wir nehmen es so hin.

Nun ist vor wenigen Wochen durchgesickert, dass die Telekom nun zum großen Schlag gegen die Nutzer ausholt. Es soll, glaubt man den Mediengerüchten ab Mai bei der Deutschen Telekom eine Drosselung auf dem DSL greifen, die bei Überschreitung von 75GB/ Monat die Geschwindigkeit auf eine ähnlich verkrüppelte Geschwindigkeit herabstuft wie beim Mobilfunk. Der DSL Nutzer wird also von seinen 16MBit/s (oder was auch immer) auf 384KBit/s runtergeworfen. Dieses ist gerade einmal die 6fache ISDN Geschwindigkeit. An die Nutzung von TV-Streamingangeboten oder anderen, hochauflösenden Videodiensten ist hiermit nicht mehr zu denken.
75 Gigabyte. Das war zu ISDN Zeiten beinahe eine unvorstellbare Menge. In Zeiten von hochauflösenden Filmen, Streaming und Onlinebackups ist das nichts. Ein Witz. Kommt man also in die Verlegenheit, seinen Rechner mit einem Onlinebackup wiederherstellen zu wollen wird man am Anfang des Monats recht schnell fertig. Dumm, dass man den Rest des Monats dann nicht mehr anständig surfen kann. Kommt man am Ende eines Monats in die Situation auf die Onlinedaten zugreifen zu müssen wird es kaum noch erträglich sein. Stundenlang wird man auf die Wiederherstellung warten dürfen.

Die Telekom lobt und preist diese Drosselung in ihren internen Werbebroschüren als richtigen Schritt. Für den Kunden kann es damit nur eines geben: Kündigen bzw. nicht mehr bei der Telekom einen Vertrag abschließen. Noch (!) kann man bei den anderen Anbietern ohne diese Drosselung einen Vertrag abschließen. Wie lange dieses Bestand haben wird, wird man sehen. Es ist wohl zu befürchten, dass diese ebenfalls auf den Zug aufspringen werden und auch dort die Drosselung eingeführt wird. Wir als Kunden werden damit irgendwann zur Kuh, die gemolken wird. Zu dem normalen DSL Vertrag kann man dann die kostenpflichtige Option „YouTube“ oder „Webradio“ oder Google oder Onlinebackup oder was auch immer hinzubuchen. Die Netzneutralität (und damit auch das Prinzip „Internet“) ist somit schon einmal stark eingeschränkt.

Die Debatte, dass die in den Straßen verlegten Telefonkabel zu beinahe 100% von Steuergeldern zu Zeiten der deutschen Post bezahlt wurden und diese irgendwann vom Staat an die Telekom übergeben wurden (Steuergelder wurden also ohne Einwilligung der Steuerzahler an ein Privatunternehmen verschenkt!) fange ich lieber nicht mehr an. Das Fass bleibt erstmal geschlossen…

 

Man mag also meinen, dass wir als Kunden diese Art missbilligen und sich ein entsprechend großer Gegenwind formieren wird. Ich für mein Dafürhalten kann nur unterstützen, diese Art von Kundenverarsche mit einer Kündigung zu quittieren. Das ist das einzige, was ein solches Unternehmen vll. versteht. Solange es noch andere Anbieter ohne solche Drangsalierung gibt muss man zu diesen wechseln.

Also: Mitmachen und von der Telekom weg wechseln.

// Update 22.04.2013//
Nun hat es die Telekom also bestätigt. Mit der Ausrede, das „ersteinmal“ nur im System einzupflegen und noch nicht aktiv zu schalten.
Golem berichtet. http://www.golem.de/news/dsl-mit-384-kbit-s-telekom-fuehrt-drosselung-im-festnetz-ein-1304-98866.html
Spiegel Online http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/dsl-flatrate-telekom-fuehrt-volumengrenzen-und-daten-drosselung-ein-a-895833.html
// Update 22.04.2013 Ende //

 

http://hetzel.net/2013-03-22/du-bist-ein-kabel/

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3 Antworten zu Drosselung nun auch bei DSL – Die Telekom macht es vor, wer kommt danach? / Update 1

  1. sack sagt:

    hi rotzoller,

    danke für den Artikel, hat mich gleich zu’nem Beschwerdebrief verfasst.

    gruß

  2. Benny sagt:

    Nach solchen Informationen steigt das Interesse an anderen Anbieter wieder ganz schnell, stellt sich nur tatsächlich die Frage, ob und wer tatsächlich nach der Telekom hier folgen wird.

    • Joachim sagt:

      Die Telekom hat ein latentes Interesse ihre eigenen Pay-per-view Dienste und IP-TV zu fördern/schützen. Daher ist der wollen die das Volumen begrenzen, um die Fremden Anbieter zu behindern.

      Die Logik, warum schnellere Anbindungen mehr Volumen haben ist dann aber etwas widersinnig.

      Auch belasten die langsameren Verbindungen das Netz weniger. Eigentlich müssten die ja mehr Volumen zugestanden bekommem …

      Bleibt zu hoffen dass der Schuss nach hinten los geht.

      Ich lebe zur Zeit in Kanada und kenne das Spiel hier von den beiden großen Anbietern Shaw (KabelTV) und Telus (DSL) . Die hatten schon lange Volumenbegrenzungen in Ihren AGB, haben sie aber (wie die Telekom jetzt bis in einigen Jahren plant) erst einmal nicht durchgesetzt. Mein bisheriger Anbieter (Shaw) hat dann Anfang letzten Jahres eine Ankündigung gemacht, dass bei überschreiten der Grenze (war auch 70G) nicht gedrosselt wird, sonder heftig abkassiert wird (1$ pro zusätzlichem GB). Das Argument war, die Netze seien überlastet und man komme um diese Maßnahme nicht herum um die Qualität der Dienstes aufrecht zu erhalten.

      In Wahrheit ist Shaw auch der quasi Monopolist für Kabel-TV und hat ein Pay-per-view Angebote, wo ein Film zw. 3$ und 5$ kostet. Streaminganbieter wie z.B. Netflix bietet per Abo für 7$ im Monat mehr oder weniger die gleichen Filme, oft auch in HD an. Das war natürlich Shaw ein Dorn im Auge! Durch die Deckelung wollten sie denen das wasser abgreben indem ein gestreamter Film dann fast soviel kostet, wie bei Shaw selbst.

      Ich habe aber dann einen kleinen Anbieter gefunden, der zwar auch für die letzte Meile zum Kunden auch die Shaw Kabelinfrastruktur benutzt aber für weniger Geld unbegrenztes Volumen anbietet. Ich habe sofort gewechselt.

      Da das wohl andere auch gemacht haben, kam 2 Monate später die komplette Kehrtwende bei Shaw. Plötzlich hat man eine Preisliste veröffentlicht, wo jetzt plötzlich 1. Geschwindighkeiten bis 200MBit angeboten wurden (bisher max 25MBit) und die Volumen drastisch erhöht wurden (200GB – 500GB) und man optional auch unbegrenztes Volumen haben konnte.

      Haben die wirklich in 2 Monaten das Netz derart ausgebaut, dass jetzt plötzlich keine Überlastung des Netze mehr existierte ?!?

      Ein großer DSL-Anbieter im Osten Kanadas hat dann zwar noch versucht bei der letzten Meile neben der Gebühr fürs Kabel auch eine volumenabhängige Gebühr für die Subanbieter einzuführen, das ist aber bisher bei der hiesigen Regulierungsbehörde bisher gescheitert. Die Logik ist ja gerade bei DSL nicht nachvollziehbar, da die DSL-Leitung ja dem einzelnen Teilnehmer zugeordnet ist und das Kabel ja bei höherem Volumen nicht mehr verschleißt. Beim TV-Kabel kann es schon eher zu Engpässen kommen.

      Ich merke selbst abends einen Rückgang der Geschwindigkeit wenn alle die HDTV Programme nutzen und sich die Nachbarschaft bei Internet und TV das Koaxkabel ja teilen muss.

      Hoffe dass dieser Versuch der Telekom auch in Deutschland scheitert.

      Joachim

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