Stammzellspende – der Kampf der DKMS gegen Blutkrebs (Leukämie)

 

Immer wieder hört und liest man von Aufrufen, sich bei Typisierungsaktionen der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. Dieses geschieht in der Hoffnung, für eine bestimmte Person jemanden zu finden, der als Spender in Frage kommt. Diese Aufrufe sind leider sehr häufig eher der letzte, verzweifelte Versuch. Die Wahrscheinlichkeit, genau für diese Person durch die Typisierung einen passenden Spender zu finden ist hierbei leider sehr gering. Da für eine Spende eine sehr hohe genetische Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger herrschen muss ist es nicht sehr wahrscheinlich, gerade bei einer solchen Aktion jemanden zu finden. Schließlich werden schon vorher die in Frage kommenden Personen (nahe Verwandte) geprüft.
Trotzdem sind diese Aufrufe hilfreich. Schließlich werden hierdrüber mehr Menschen in der DKMS registriert, man redet über die DKMS und macht sich vll. Gedanken. Und auch das Lesen des nachfolgenden Berichts (ja, der ist recht lang geworden) klärt vielleicht noch etwas auf und macht weiter etwas Werbung für die gute Sache.

 

 

Vor einigen Jahren habe auch ich mich registrieren lassen. Zusätzlich war ich freiwilliger Helfer bei einer solchen Typisierungsaktion und habe einmal selber erfahren dürfen, wie hilfsbereit viele zu solchen Typisierungsaktionen gehen. In der Hoffnung, helfen zu können. Damals noch etwas aufwändiger mit einer kleinen Blutentnahme, die genommen werden musste. Heutzutage reicht es, ein Wattestäbchen an der Mundschleimhaut abzustreichen.

Da für eine Spende eine sehr hohe genetische Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger herrschen muss ist es nicht sehr wahrscheinlich, einen passenden Spender für genau diese Person bei einer Typisierungsaktion zu finden. Aber man füllt damit die Anzahl der potenziell für andere in Frage kommender Spender. Und vielleicht findet sich genau hier zufällig jemand, der einem anderen seine Stammzellen spenden kann.

 

Nun sind einige Jahre seit meiner Registrierung bei der DKMS vergangen. Zwar kommt man immer mal wieder durch Werbung oder Zeitungsaktikel mit dem Thema in Kontakt, hat es aber eigentlich für sich erstmal abgehakt. Eigentlich.
Vor ein paar Jahren kam von der DKMS ein Schreiben bei mir an, dass die erste Prüfung der Merkmale soweit übereinstimmten, dass ich als Spender für jemanden u.U. in Frage kommen könnte. Wenn ich weiterhin Interesse hätte könnte dieses durch eine weitere Blutprobe getestet werden. Also hatte ich mich damals natürlich bereit erklärt, bin zu einem Arzt und habe die nötigen Proben abgegeben. Leider erhielt ich damals ein paar Wochen später die Mitteilung, dass ich zwar als Spender in Frage käme, der Empfänger diese jedoch nicht mehr gebrauchen kann (man kann sich also selber denken, was damit gemeint ist). Das war also der erste Versuch…

Etwas überraschend bekam ich im Januar 2014 eine weitere Anfrage, ob ich noch immer als möglicher Spender bereit stünde. Wieder mit dem Hinweis, wie es weiter laufen würde. Man müsste einen ärztlichen Fragebogen beantworten, eine Blutprobe abgeben. Die genaue Auswertung der Blutprobe würde dann zeigen, ob man auch weiterhin für den möglichen Empfänger spenden könnte. Sollten die Werte dann übereinstimmen, es keine Ausschlusskriterien für eine Spende geben müsste man zu einer Voruntersuchung und eine genauere Untersuchung bestehen. Danach, sollte auch das erfolgreich bestanden sein, könnte man spenden.

 

Blutkrebs bzw. Leukämie

Es gibt unterschiedliche Arten des Blutkrebses. Einige nicht ganz so schlimme Arten und seltener wohl sehr schlimme, mit wenig Heilungsschance. Rund 30 Personen in Deutschland erkranken Tag für Tag an Blutkrebs. 30. Das ist schon eine Menge und für mich recht überraschend. Da ich mich auch nur mal in groben Zügen mit dem Thema befasst habe klingt es nach viel. Verdammt viel wenn man bedenkt, dass eine Spende nur möglich ist, wenn ein sehr hoher Übereinstimmungsgrad zwischen Spender und Empfänger bestehen muss.
Genaue Zahlen und Fakten, mehr Infos über Blutkrebs usw. findet man auf http://www.dkms.de

 

Fehlinformationen – „Eine Spende ist immer nur mit Knochenmark möglich“

Ich möchte eines vorweg erklären: Eine Registrierung bei der DKMS ist sicherlich sehr schnell vollbracht. Und man sollte sich immer vor Augen halten, dass man selber relativ wenig „Nebenwirkungen“ und Risiken zu tragen hat. Und vor allem, und das habe ich während einiger Gespräche gelernt, herrscht noch immer der Irrglaube, dass die Spende nur durch das Entnehmen von Knochenmark ermöglicht wird. Und das auch noch aus dem Rückenmark…

Das ist großer Quatsch. In den meisten Entnahmefällen wird durch periphere Stammzellentnahme aus dem Blut die Menge an Zellen gewonnen. In einigen wenigen Fällen (z.B. weil der Empfänger doch Knochenmark benötigt bzw. aus dem Blut nicht genug entnommen werden kann) kommt auch eine Entnahme von Knochenmark in Frage. Diese Knochenmarkenthmae wird dann allerdings aus dem Beckenkammknochen entnommen. Keiner fummelt mit irgendwas im Rückenmark rum.
Natürlich ist diese Entnahme etwas schmerzhafter und auch aufwendiger als eine einfache „Blut“spende. Trotzdem sind die meisten Entnahmen ähnlich einer Plasmaspende und damit relativ einfach und komplikationslos.
Wer es nicht kennt: Bei der peripheren Entnahme wird das Blut in eine Maschine geleitet, hierdrin in einer Zentrifuge in die unterschiedlichen Bestandteile separiert, die Stammzellen entnommen und der Rest geht, verdünnt mit Kochsalzlösung in den anderen Arm wieder rein. Man hat also keinen Volumenmangel und muss nur ein paar Stunden an der Maschine hängen.

 

Blutprobe

Man bekommt von der DKMS einen kleinen Karton mit mehreren Röhrchen für eine Blutentnahme zugeschickt. Mit dem der DKMS angegebenen Hausarzt wird durch diese ein Termin vereinbart, zu dem man zur Entnahme kommen soll. Ein Kurier holt kurz danach die Proben ab, man selber schickt eine Kontrollprobe an ein zweites Institut. Eine recht schnelle Geschichte ohne viel Komplikationen.

Nach der Blutentnahme dauert es laut DKMS dann ein paar (6-8) Wochen, bis man wieder was von denen hört. Hierbei wird die Probe auf Übereinstimmung untersucht. Man kann also ein paar Wochen das Ganze verdrängen… Und erhält dann die Meldung der DKMS, was die Untersuchung ergeben hat. Kommt man weiterhin als Spender in Frage, so geht es (zumindest bei mir) danach recht schnell weiter.

 

Vorgespräch am Telefon

Die DKMS gibt nach dieser Blutuntersuchung die weitere Koordination und Entnahme an die Cellex ab. Diese Gesellschaft kümmert sich um den kompletten Ablauf ab diesem Zeitpunkt. Also um die benötigte Beratung, Voruntersuchung und natürlich die Entnahme.
Während eines netten Telefonats wird man einmal aufgeklärt, wie nun der weitere Ablauf stattfinden würde. Hierbei wird auch abgeklärt, wohin man zur Voruntersuchung und Entnahme kommen möchte. In Süddeutschland gibt es wohl näher gelegene Zentren. Für mich als Kieler ist das nächste Spendezentrum leider entweder in Dresden oder in Köln.
Während der telefonischen Beratung wird also geklärt, wann man und wohin man kommen möchte, wie diese Untersuchung abläuft und wie es mit den Kosten für Anreise, Unterkunft usw. läuft. Grundsätzlich gilt hierbei, dass man als Spender (bis auf seine Zeit) keine Investitionen leisten muss. Alle Kosten für die Anreise, Unterkunft und Verpflegung werden übernommen. Die Terminabklärung ist ebenfalls wichtig. Anhand dieser wird sowohl meine Voruntersuchung terminiert als auch, sofern man zur Spende kommen würde, die Entnahme festgesetzt. Dieser Entnahmetermin ist dann auch der Termin für den Empfänger, an dem vll. für ihn ein neues Leben beginnen kann. Für ihn beginnt schon eine Woche vorher eine „heiße“ Phase: Durch weitere Bestrahlung und Chemo wird das Immunsystem des Empfängers auf Null gebracht und dieser auf die Transplantation vorbereitet. Man kann also nicht noch mal schnell umentscheiden, wenn einem der Entnahmetermin doch nicht passt. Es hängt viel damit zusammen (und bei manchen mehr, dazu aber später mehr).
Wenige Tage nach diesem Telefonat hatte ich dann die Informationen, einen weiteren Fragebogen, Datenschutzerklärungen usw. bei mir zu Hause im Briefkasten. Mein Bahnticket steckte schon im Fahrkartenautomaten und musste nur noch abgeholt werden, das Hotel war reserviert. Also ging es nach wenigen Tagen zur Voruntersuchung nach Köln…

 

Voruntersuchung

Der erste, aufwändigere Akt für mich. Schließlich komme ich aus Kiel. Und leider gibt es derzeit kein von der Cellex in Norddeutschland (Hannover, Hamburg, Kiel oder sowas) betriebenes Spendezentrum. Also muss man sich auf den Weg nach Köln machen. Für mich war also mitte April ein Termin angesetzt, zu dem ich mich per Zug auf den Weg gemacht habe. Abholung der Fahrkarte am Automaten (ist alles bezahlt), in den Zug setzen und ein paar Stunden überstehen. Dann kam ich bei schönem Wetter an einem Sonntag nachmittags in Köln an, konnte die Statt ein wenig kennenlernen, natürlich den Dom besichtigen und bin dann ins Hotel (reserviert und bezahlt).
Am nächsten Morgen (leider vieeeel zu früh) hatte ich dann den Untersuchungstermin. Hierbei darf man sich einen kurzen Infofilm sowohl über die Cellex bzw. DKMS und (und davor hatte ich eher Respekt) das Spritzen eines Medikamentes ansehen. Danach wird wieder Blut entnommen, EKG, Temperatur, Puls und Blutdruck gemessen. Während einer ärztlichen Untersuchung werden einem dann noch einige Fragen gestellt und ein Ultraschall gemacht.
Eine passende Menge an einem Medikament sowie Spritzen, alko-Tupfer usw. erhält man ebenfalls mit auf den Weg. Dieses Medikament muss man sich an genau definierten Tagen vor der Spende entweder selber spritzen oder spritzen lassen.
Fertig. Nach der Untersuchung kann man dann also wieder nach Hause fahren. Ein paar Tage später erhält man dann die endgültige Freigabe für die Spende und seinen Spritzplan.

 

Vorbereitung für die Spende – Das Spritzen

Damit der Spender überhaupt Stammzellen im Blutkreislauf in ausreichender Menge hat muss man als Spender ein Medikament nehmen, welches dem Körper eine Krankheit „vorspielt“ und diesen damit anregt, die Stammzellen aus den Knochen in den Blutkreislauf zu bringen. Dieses Medikament ist leider nur als Spritze in den Körper zu bringen. Und da begann für mich die erste, größere Befürchtung. Da ich mich bisher nicht selber spritzen musste hatte ich schon einen gewissen Respekt davor.
Bei der Voruntersuchung erhält man ja das Medikament sowie den Film zum Spritzen vorgeführt. Ebenfalls wird einem angeboten, sofern man sich nicht selber spritzen möchte/ kann, dass dieses durch den Hausarzt oder einen Pflegedienst gemacht werden würde. Das war mir alles zu umständlich, kann ja auch nicht so schwer sein.
Also habe ich mich zum ersten Mal damit befasst, mich selber zu spritzen.
Das Medikament befindet sich in kleinen Glasbehältern, in die man steriles Wasser spritzt, ein paar Minuten auflösen lassen muss, in eine Spritze aufzieht und s.c. (sub cutan, unter die Haut ins Fettgewebe) spritzen muss. Im Idealfall dauert dieser Vorgang keine 10 Minuten. Und tatsächlich, es klappte deutlich besser als erwartet. Die Injektionsnadel ist so winzig, die merkt man kaum. Kann man also gut selber machen, zumal das auch nur 4 Tage mit je einer Spritze morgens, einer abends sowie einer letzten Spritze zwei Stunden vor der Entnahme ist.

Was man merkt, und das ist wohl von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt, sind die „Nebenwirkungen“ des Medikaments. Diese sind über ein paar Tage grippeähnliche Symptome. Also Kopfschmerzen sowie Glieder- und Knochenschmerzen. Diese Knochenschmerzen waren bei mir rund einen Tag recht kräftig. Ein seltsames Gefühl ist es schon, da man ja eigentlich gar nicht krank ist und diese Knochenschmerzen auch nur von einer wirklich schweren Grippe kennt.
Aber als Beruhigung hierzu hat man im Hinterkopf, dass diese Schmerzen auch ein gutes Zeichen sind: Die Stammzellen gehen aus dem Knochen ins Blut über.
Um diese Schmerzen zu lindern kann man sich Paracetamol reinfahren. Das hilft dann sowohl gegen diese als auch gegen die Kopfschmerzen.

 

Die Spende

Nun also eine weitere Fahrt nach Köln. Wieder komplikationslos konnte ich meine Tickets im Automaten abholen. Für die Spende besteht die Möglichkeit, eine Begleitperson mitzunehmen (deren Kosten werden ebenfalls getragen), was ich auch gemacht habe.
Wieder an einem Sonntag nachmittags in Köln angekommen. Etwas die Stadt angeschaut und dann ins Hotel. Diesmal gab es „aus Gründen“ ein anderes Hotel, direkt in der Nähe zur Klinik. Das hatte natürlich den Vorteil, dass der Weg zur Klinik am nächsten Tag sehr kurz war.
Nervös war ich nicht. Einzig natürlich ein paar Gedanken zu dem möglichen Empfänger. Auch wenn ich diesen nicht kannte habe ich doch drüber nachdenken müssen. Irgenwie kommt schon eine gewissen Verbindung auf emotionaler Ebene zustande…

Am Spendetag muss man sich zwei Stunden vor der geplanten Spende noch eine letzte Spritze setzen. Damit ist das Thema erstmal erledigt. Also ab in die Spendeklinik. Dort waren andere Spender schon fertig, Kuriere und Begleitpersonen warteten. Alles wieder sehr freundlich und nett.
Mit relativ kurzer Verzögerung ging es dann, begleitet von seiner „persönlichen Betreuerin“ in den Spenderaum. Andere warne ebenfalls schon dort, waren fast fertig oder hatten noch etwas vor sich.
Mir wurde meine Liege zugewiesen, Kopfkissen hinter den Kopf geklemmt und erklärt, wie es weiter geht. Alles relativ gewohnt, da ich schon einige Plasmaspenden gemacht habe. Und dieses ist sich sicherlich ähnlicher als eine Blutspende.
Einziger Unterschied: Man bekommt eine doch etwas dickere Kanüle zur Entnahme in den einen Arm, eine flexible Kanüle zur Rückgabe in den anderen Arm.
Auch das „in den Arm reinstecken“ ist ungewohnt. Es war doch etwas schmerzhafter als gewohnt und hatte mich etwas überrascht. Aber gut, was muss, das muss.
Dass man den anderen Arm (die flexible Kanüle) bewegen darf (und das hat mir dann Katharina gleich demonstriert) war ebenfalls ungewohnt. Wie sich bei der Spende rausstellte muss man das auch nicht unbedingt machen. Man knickt unter Umständen nur den Schlauch ab, dieser muss wieder gerade gemacht werden und sorgt für unnötige Verzögerung.
Ist man also mit der dicken Kanüle angeschlossen wird hierdrüber das Blut aus der Vene in die Maschine gepumpt. Dort über die Zentrifuge soweit in die unterschiedlich schweren Bestandteile „getrennt“ dass die Maschine die Zellen entnehmen kann. Zusammen mit Kochsalz, Citratzusatz usw. geht der Rest dann wieder über die zweite Kanüle rein in den Körper. Mitunter entsteht ein leichtes Kribbeln durch Kaliummangel (oder war es Kalzium?). Das wird dann schnell durch Beigabe in eine Infusion behoben.
Direkt nach Anfang der Spende wird etwas Blut entnommen, welches analysiert wird. Es lassen sich wohl die Stammzellen messen und die Maschine entsprechend besser kalibrieren. Dadurch kann die Entnahme wohl noch etwas beschleunigt werden, wenn diese dann im „Optimum“ arbeiten kann.

Die Spendezeit wird einem dabei allerdings so angenehm wie möglich gemacht. Man darf während der Spende essen und trinken (wenn man denn mag. Alles was reingeht, muss auch wieder raus 😉 ), kann eine DVD/ BD (auch mitbringebrachte) sehen, Musik hören oder was auch immer. Einzig darf man nicht schlafen (verständlich) und seinen Arm mit der großen Kanüle bewegen (noch verständlicher).
Wie schon erwähnt: Alles muss auch wieder raus. Man kann während der Spende unterbrechen und einen Toilettengang machen. Das wollte ich, wenn möglich, vermeiden. Es ist etwas Aufwand und unnötige Zeitvergeudung. Und wenn nicht nötig, wollte ich es umgehen, was auch geklappt hat.

Nun muss man sich also etwas gedulden. Je nach Anforderung, der Aktivierung der Stammzellen (also dem Vorhandensein im Blut) usw. kann die Spende zwischen 3 und etwas mehr Stunden dauert. Ich hatte Glück. Meine Werte passten alle, ich konnte relativ schnell fertig werden. Und fühlte mich die ganze Zeit sehr nett und freundlich behandelt. Also auch von hier noch ein herzliches Danke an das Spendeteam!

 

Die Zeit direkt nach der Spende…

Nach der Spende muss man noch mind. eine halbe Stunde in der Entnahmeklinik verbleiben, ordentlich trinken und etwas essen (steht alles bereit) und zwei Beutel mit Kalzium eine eine Kaliumbrausetablette zu sich nehmen. Geht es einem gut, darf man raus.
Während dieser Zeit stehen wieder Kuriere bereit, die die Spendezellen abholen. Wo ist meine jetzt? Wohin geht diese? Wer erhält diese? Fragen, die man erstmal nicht beantwortet bekommt.
Trotzdem konnte man schon ein paar mögliche Ziele ahnen. Nach Holland sollte eine Spende gehen, die aber wohl nicht von mir stammen konnte, da sie zu schnell nach meiner Spende geholt wurde. Oder war es vll. der Kurier nach Marburg? Und es stand noch eine Kurieren aus Großbritannien dort und wartete. Beide verließen recht schnell die Klinik. Vielleicht ja mit meinen Stammzellen….

Um zu wissen, ob die Anforderung der Empfängerklinik hinsichtlich der Stammzellmenge erfüllt wurde muss die Stammzellspende noch geprüft werden. Sollte, und das ist wohl nicht häufig, diese Menge aus irgendwelchen Gründen nicht erfüllte sein, muss man am nächsten Tag noch einmal ein paar Zellen spenden.
Für mich hieß es bei diesem Kontrollanruf rund zwei Stunden nach der Spende am Telefon nur, dass alles einwandfrei erfüllt und deutlich mehr Zellen vorhanden sind als benötigt wurde.
Damit war mir mein Kölsch abends wohlverdient 😉

 

Nachwehen

Neben den Nebenwirkungen während der Spritzzeit kann es auch nach der Spende noch zu leichten Einschränkungen kommen. Mitunter soll man sich wohl etwas schlaff und matt fühlen. Zudem sollte man dringend zwei Wochen lang darauf verzichten, Kontaktsportarten (Handball, Kampfsport, Boxen usw.) zu machen. Durch die Medikation kann sich die Milz etwas vergrößern. Schläge und Stöße auf die Milz sollte man daher dringend vermeiden.
Mich hat die Spende nicht negativ beeinflusst. Ich fühlte mich gleich an dem Abend wieder recht fit und merke keinen weiteren Einfluss.

 

Nachuntersuchung

Nach vier Wochen soll man noch mal zum Hausarzt und erneut eine Blutprobe machen lassen. Hiermit werden die Blutwerte verglichen, ob diese nun wieder im Normalbereich sind. Schließlich wurde dem Körper ein Medikament zugeführt und hat entsprechende Reaktionen verursacht.
Nach einem Jahr ist wohl die letzte Nachprüfung. Zu diesem Zeitpunkt wird wohl nichts mehr an erhöhten Werten feststellbar sein.

Ich werde sehen, wie sich alles wieder eingerenkt hat.

 

Die Zeit des Wartens und Hoffens

Erst wenn man nicht noch einmal am nächsten Tag spenden muss und die Stammzellspende die Klinik verlassen hat darf man in sehr groben Zügen erfahren, an wen gespendet wurde. Und tatsächlich war meine Vermutung bestätigt worden: Meine Zellen haben die Reise nach GB gemacht. Die Kurieren mit ihrem Transportbehältnis ist direkt nach der Spende in den nächsten Flieger und wieder nach GB geflogen, im Gepäck das für den Empfänger so lebenswichtige Material.
Abends wurde dieses wohl noch transplantiert.
Nun kann ich nur noch warten. In einigen Wochen oder Monaten werde ich erfahren, ob der Empfänger die Spende überlebt hat und einen zweiten Geburtstag am 05.05.2014 feiern kann.

Bis dahin kann man schon einmal anonymisiert über die DKMS Briefe austauschen, sofern beide Seiten zustimmen. Nach Ablauf einer Sperrfrist (diese liegt wohl zwischen ein und zwei Jahren, je nach Land) kann dann direkt Kontakt aufgenommen werden.
Nach der Spende erhält man ein Buch der DKMS ausgehändigt, in welchem viele Berichte und Briefe von Spendern und Empfängern abgedruckt sind. Viele sehr bewegende Geschichte sind dort zu lesen. Und vielleicht kommt es ja zu einem persönlichen Treffen zwischen mir und dem Empfänger….

Vielleicht sorgt also meine Spende ebenfalls dafür, dass diese zweite Chance für den Empfänger für ihn zu einem guten Ende kommt. Mehr kann man wohl nicht machen, als nun die Daumen zu drücken, schließlich existiert nun ein genetisch sehr ähnlicher Zwilling irgendwo in GB.

 

Würde ich noch einmal spenden?

Für mich war es eine sehr interessante Erfahrung. Ich würde, sofern ich noch einmal als Spender in Frage komme, wieder spenden. Und natürlich werde ich sowohl durch diesen Bericht als auch durch das Berichten von der Spende Werbung machen, sich bei der DKMS zu registrieren. Es ist wirklich leicht, ein Leben zu retten. Man muss nur wenigsten Aufwand auf sich nehmen und kann damit vielleicht einem Menschen das Leben retten – und vielen anderen (der Familie, Freunde usw.) das Leid ersparen…..

Wer sich noch nicht registriert hat, sollte dieses nachholen. Aus meiner Sicht ist es einfach und relativ problemfrei, zu spenden. Gut, man ist vielleicht ein paar Tage mit grippeähnlichen Symptomen und Kopfschmerzen „beglückt“, man fühlt sich vielleicht nicht sonderlich gut während dieser Zeit und hat vielleicht nach der Spende Erschlaffungszustände. Aber ist das nicht hinnehmbar? Für ein Menschenleben?

 
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4 Antworten zu Stammzellspende – der Kampf der DKMS gegen Blutkrebs (Leukämie)

  1. Sonja sagt:

    Vielen Dank für diesen ausführlichen, positiven Bericht! Ich bin auch bereits seit einigen Jahren bei der DKMS registriert und habe Anfang der Woche meine Blutabnahme hinter mich gebracht. Nun war ich neugierig, wie es weitergehen könnte, wie der Ablauf ist und wie die Erfahrungen mit der Spende ausschauen. Dein Bericht hat mich in meinem Entschluss bestärkt, dass ich das richtige tue und hoffe jetzt umso mehr auf einen positiven Bescheid, dass meine Merkmale übereinstimmen und ich bald spenden darf! LG Sonja

    • rotzoll sagt:

      Hallo,

      dann wünsche ich dir viel Erfolg. Und dem Empfänger natürlich um so mehr.

      Auch 5 Monate nach der Spende kann ich nur Gutes über den Verlauf der Spende berichten. Überraschenderweise gab es noch ein kleines Präsent von der DKMS 😉

      Bisher habe ich aber noch nicht nachgefragt, was denn „mein“ Empfänger so macht. Ich weiß also nicht, ob er aus dem Krankenhaus raus ist und wie es ihm geht. Das ist etwas, was ich demnächst einmal in Erfahrung bringen wollte. Man kann ja nur hoffen….

      LG,
      malte

  2. Sonnenschein sagt:

    Sehr schön und aufklärungsreich geschrieben.
    Ich Danke Ihnen dafür. Bin selbst auch registriert, und habe nun zum ersten mal Blut abgegeben. Mal schauen. Bin sehr aufgeregt und hoffe das es in Frage kommt und man einem Menschen auf diesem Wege helfen kann. Jetzt gehe ich etwas beruhigter daran. Danke. Liebe Grüsse.

  3. Petra sagt:

    Danke für ausführliche Info….habe jetzt erst Blut beim Hausarzt abgegeben und bin gespannt wie es weitergeht. Jetzt fällt es mir doch ein bisschen leichter!! Viele Grüße

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