Tesla: Der Vorreiter wird den Markt erneut aufwirbeln. Oder nicht?

 

Tesla. Vielen sicherlich nur bekannt als Hersteller von Elektroautos. Schicke, moderne und innovative Autos ganz ohne Verbrennungsmotor werden von Tesla seit ein paar Jahren auf den Markt gebracht. Bisher leider noch nicht weit verbreitet, da viele Menschen doch lieber mit Benzin betriebene KFZ fahren. Aus Bequemnlichkeit oder aus Vorurteilen.

Am 30. April 2015 hat Tesla mit der Sparte „Tesla Energy“ einen neuen Bereich vorgestellt, der vermutlich (und hoffentlich) den Markt umkrempeln wird. Tesla Energy wird in den nächsten Monaten das Produkt Powerwall auf den Markt bringen. Die Tesla Powerwall ist ein kleiner „Akkupack“ für den Heimbereich. Recht klein, schick und modern soll dieser Stromspeicher den tagsüber von einer Photovoltaik (PV) Anlage produzierten Strom zwischenspeichern und bei Bedarf wieder ins Hausnetz abgeben. Damit kann der Strombedarf eines Hauses deutlich gesenkt werden und, je nach Auslegung der Anlage (PV und Powerwall), das Haus sogar einige Tage autark selber versorgen.

 

Was für Vorteile bietet die Powerwall gegenüber bekannten und schon vorhandenen Produkten?

Aus Kundensicht ist ein riesiger Vorteil von Tesla gegenüber verfügbaren Produkten bemerkenswert: Der Preis. Ein günstiger Preis gepaart mit modernem Design plus einer 10jährigen Garantie sind herausragend.
Tesla kündigt die Powerwall mit einer Leistung von 7kWh bzw. 10kWh (erweiterbar auf max. 9 Module) zu Preisen von 3.000 bzw. 3.500 USD an. Preise für Deutschland werden vermutlich höher werden. Verfügbarkeit in Deutschland, Lieferzeiten, Support und Aufbau- bzw. Anschlussdienstleistungen sind derzeit auch noch unbekannt. Allein dieser Preis ist schon spannend, Produkte anderer Hersteller in ähnlichen Leistungsklassen sind meist deutlich teurer. So bietet beispielsweise der Stromlieferant RWE Stromspeicher an. Anfangspreise beginnen bei derzeit rund 7.500 Euro (Stand: Mai 2015) für einen kleinen Speicher mit 4,5kWh.
Weiterhin sind Design und Abmessungen spannend. Die weiße, hochwertig anmutende Verarbeitung könnte sogar ein schicker Blickfang darstellen. Man muss die „Kiste“ nicht in den Keller verbannen und verstecken. Bei Abmessungen von 1300 mm x 860 mm x 180 mm und einem Gewicht von rund 100 KG soll die Powerwall für eine Montage an der Hauswand geeignet sein. Andere Speicher bekannter Hersteller sind meist große, unschöne und eher technisch anmutende „Kisten“, die man aus praktischen und nicht aus praktikablen Gründen hat.

 

Warum sollte man sich überhaupt einen Stromspeicher anschaffen?

Seit einigen Jahren ist der Zuwachs an PV Anlagen deutlich sichtbar. Viele Anlagen sind entstanden, sei es auf Hausdächern oder auch in großer Form auf Hallendächern oder gar auf dem freien Acker.
Anfangs waren diese Anlagen sehr interessant, wenn man den durch die Sonne erzeugten Strom ins Netz eingespeist hat und über die Einspeisevergütung diesen Strom fair bezahlt bekommen hat. Anfangs. Denn seit ein paar Jahren ist durch das Erneuerbare Energie Gesetz, kurz EEG diese Einspeisevergütung deutlich reduziert worden. Die garantierte Vergütung für eingespeisten Strom wird zudem Monat für Monat gesenkt. Schließt man heute eine neue PV Anlage an das öffentliche Stromnetz an, so erhält man nur noch eine garantierte Vergütung von knapp 10 Cent pro KiloWatt Stunde. Das ist im Gegensatz zu den vor wenigen Jahren noch gezahlten 25 Cent und mehr deutlich unattraktiver geworden. 10 Cent erhält man für eine erzeugte kWh, die man selber bei seinem Stromlieferanten für 26 Cent oder sogar mehr einkaufen darf.

PV Anlagen haben allerdings einen gewaltigen Nachteil: Sie produzieren Strom, wenn die Sonne scheint. Also tagsüber. Tagsüber ist man allerdings häufig gar nicht zu Hause und kann somit nicht den selber produzierten Strom verbrauchen. Abends hingegen ist man zu Hause. Die Sonne liefert aber keine Leistung mehr. Nun müsste man den Strom teuer von seinem Stromlieferanten beziehen. Der tagsüber überschüssig produzierte Strom würde für günstiges Geld verkauft werden.
Nun sollen die Stromspeicher genau diesen Mangel beheben. Wird Strom produziert und nicht genutzt, speichern diese Geräte den Strom zwischen. Abends und nachts wird aus den Speichern der Strom für den Bedarf genommen, der sonst aus dem Netz bezogen werden müsste. Ist der Speicher eher aufgebraucht als die PV Anlage diesen wieder auffüllen kann, kommt der Strom vom Netz. Man kann also (je nach Dimensionierung der Speicherlösung) seinen Hausstromverbrauch einige Zeit, z.T. sogar einige Tage selber erzeugen und bereit stellen. Man wird damit unabhängig(er) vom Stromlieferanten.
Und genau diese Speicherung ist derzeit noch ein großes und mitunter auch teures Unterfangen. Gerade Anbieter, die sowohl Stromerzeuger /-lieferant (wie z.B. RWE) als auch Lieferant von Speicherlösungen sind, sind natürlich mit einer gewissen Skepsis zu bewerten. Warum sollten diese Anbieter Speicherlösungen für einen günstigen Preis anbieten um sich damit den Markt der Stromlieferung zu vermiesen? Da ist doch schon als Außenstehender ein gewisser Interessenskonflikt zu erkennen. Und genau dieses wird wohl auch in das Produkt eingepreist. 4,5kHw zu Preisen ab 7.500 Euro sind schon eine Ansage.

Damit könnte also Tesla mit seinem Produkt ein möglicher Siegeszug bevorstehen. Wie, zu welchen Preisen und wann das Produkt schlussendlich in Deutschland verfügbar wird, ist noch unklar. Dass es ein genialer Schachzug für Tesla ist, ist unstrittig. Mit der Gigafactory hat sich Tesla eine riesige Kapazität zur Erzeigung von Akkus gesichert. Teile der Produktion werden in den Autos verbaut, der größere Teil wird aber vermutlich den Powerwalls zur Verfügung stehen. Eine große Produktionskapazität bei hoher Nachfrage sind meist auch ideal, um akzeptable Preise für den Endkunden sicher zu stellen.

 

Wir werden gespannt sein dürfen, wann Tesla in Deutschland mit der Powerwall verfügbar sein wird. Eine Powerwall zusammen mit einer gut dimensionierten PV Anlage auf dem Dach macht einen schon für eine gewisse Zeit unabhängig. Damit wird auch die Anschaffung einer PV Anlage wieder deutlich interessanter. Über den Verkauf des Stroms verdient man derzeit quasi nichts mehr. Einzig über den Eigenverbrauch spart man richtiges Geld.

Und Berechnungen für die zukünftigen Strompreise sehen nicht so aus, als würden diese sinken…

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